31. Januar 2005: Chacaltaya

Für den 31. Januar hatten wir uns für einen Ausflug zum Chacaltaya, einem etwa 5300m hohen Berg, entschieden. Nachdem wir erst ewig lange im Hotel gewartet hatten und schon nicht mehr daran glaubten, dass der Tourbus noch kommen würde, erschien dann doch endlich die Reiseleiterin und es ging los. Zuerst nach El Alto, der über 4000m gelegene Stadtteil von La Paz, wo unter anderem auch der Flughafen liegt. Von da aus genossen wir, einmal mehr, den schönen Ausblick auf den Talkessel der Stadt. Unter anderem wurde uns auch erzählt, wie diese seltsame Landschaft entstanden ist: Der wichtigste Gott, dessen Name mir leider schon wieder entfallen ist, war aus irgendeinem Grund traurig und stampfte vor Wut auf, so dass mitten in der Hochebene ein Kessel entstand, La Paz.
Weiter ging es durch eine ziemliche Einöde in der wir hin und wieder ein paar vereinzelte Häuser und ein paar Lamas erblickten. An einem Punkt, wo wir bei guten Wetter bis zum Titicaca See hätten blicken können, hielten wir an. Um ein paar Fotos zu machen stieg ich aus. Aber dort oben war es nicht nur bitterkalt (zum Glück hatte ich mir entgegen Leandros Meinung es wird auch in Bolivien nie kälter als 18°C, doch noch einen dicken Pullover, Mütze und Schal gekauft), sondern das Laufen, bzw. Atmen, fiel noch einmal viel schwerer als in La Paz. Heftig schnaufend kehrte ich also nach ein paar Minuten zurück zum Bus und weiter ging die Fahrt. So langsam kamen wir auch unserem Ziel näher, was sich mit einem schneebedeckten Gipfel in der Ferne schon lange angedeutet hatte. Es fing dann auch an zu regnen und wenig später ging der Regen in Schnee über. Wir fuhren eine ziemlich steile und enge Straße hinauf, die links vom mit Schutt bedeckten Hang des Berges und rechts von einem netten Abgrund begrenzt wurde. Vorbei an der Wetterstadion von La Paz (die höchstgelegene der Welt) ging es Richtung Gipfel. Als die Straße dann schneebedeckt war und ich mich fragte wie der Bus das überhaupt schaffte, kamen wir dann endlich an der Liftstation des angeblich höchst gelegenen Skigebiets der Welt an. Zum Skifahren lag aber wohl zu wenig Schnee, was mir aber auch egal war, da ich ja bekanntlich nicht Skifahre. Nachdem ich mich fest verpackt hatte in Schal, Jacke und Mütze, ging es raus aus dem Bus. Wir waren noch ca. 200m vom Gipfel entfernt und wer wollte, konnte den selbigen jetzt erklimmen. Allein bei dem Gedanken daran, wie mir alleine die Treppen an Christianes Haus zugesetzt hatten (und die lagen nur in 3500m Höhe), hatte ich alles andere als Lust bei dieser Kälte dort hochzustapfen. Da aber fast alle anderen sich auf den Weg machten, packte mich der Sportsgeist und wir packten es ebenfalls an. Tobias gab allerdings schon nach den ersten 50m auf, doch da ich mich noch relativ gut fühlte, wanderte ich weiter. Doch auch die restlichen, sich noch hinter mir befindlichen Bergsteiger gaben bald auf, so dass ich das Schlusslicht bildete. So ungefähr alle 2 Schritte musste ich eine Pause einlegen (natürlich nur um Fotos zu machen ;-)). Um nicht ganz alleine zu wandern, holte ich noch 3 Kanadier ein und schloss mich ihrem Lauftempo an. Aber hier war mal wieder eine dieser Situationen: Ich lief an einem sauglatten Abgrund entlang und jeder Ausrutscher wäre der Letzte gewesen. Hier hätte ich einfach so sterben können und nichts und niemand hätte das verhindern können (yeah, Adventure). Nicht daran denkend, dass es ein paar Personen sicher nicht gefallen hätte, wenn sie in dem Moment gewusst hätten, was ich gerade so treibe, strebte ich weiter Richtung Gipfel. Nach ungefähr einer Stunde sah ich dann auch endlich die Reiseleiterin, die in einem Affenzahn den Berg hinaufgestiefelt war und jetzt oben auf uns wartete. In einem Endspurt stapfte ich an den Kanadiern vorbei und erreichte schließlich das Ziel.
Da es dort oben nicht wirklich viel zu sehen gab (die tolle Aussicht auf den Titicaca See war natürlich durch den Schneesturm verdeckt), machte ich mich auch sobald wieder an den ziemlich steilen Abstieg. Unterwegs dachte ich wirklich meine eine Gesichtshälfte wäre bereits abgefroren, oder war auf dem besten Wege dabei. Ein ziemlich kalter Wind wehte immer von der gleichen Seite und der Schneesturm war inzwischen auch ziemlich stark geworden. Schnell machte ich noch ein paar Fotos, was auch die Kamera ziemlich einnässte (einmal mehr) und weiter ging es Richtung Liftstation. Dort endlich angekommen, bestellte ich erstmal einen Coca Tee. Allerdings mussten wir aufgrund des starken Schneefalls bald zurück zur Stadt. Glücklicherweise wurde mein Tee in einen Plastikbecher umgefüllt und so ging es zurück zum Bus. Auf dem Rückweg genossen wir wieder die schöne Aussicht und kamen schließlich in La Paz an. Von dort aus ging es direkt weiter zum Mondtal, welches in unmittelbarer Nähe zur Stadt liegt.

Fotos vom Chacaltaya