29. - 31. Oktober 2004: In der Hippie-Stadt São Tomé das Letras

Übers Wochenende stand ein Ausflug mit (fast) der gesamten República auf dem Plan. Als Reiseziel stand São Tomé das Letras auf dem Programm. Diese Stadt wollte ich sowieso schon lange besuchen, da sie laut Lonly Planet ein Treffpunkt von Hippies, Mystiker und Anhängern von Verschwörungstheorien (ICH, ICH!!) ist. Also schloss ich mich meinen Mädels an und Freitag um 10 ging es dann los. Aus Geldspargründen wurde beschlossen, dass wir per Anhalter nach STDL fahren. Das fand ich erst einmal gar nicht lustig, da ich ja der Angsthase in Person bin und mir gleich erstmal alle möglichen Entführungsszenarien ausmalte. Nachdem mir aber versichert wurde, dass das ganz lustig ist und auch nicht gefährlich sei, stimmte auch ich dem Vorschlag zu. Gegen Geld sparen ist ja erst einmal nichts einzuwenden. Samara, die schon einmal bis Uruguay getrampt war, versorgte uns erst einmal mit reichlich guten Ratschlägen und dann ging es auch schon los Richtung Stadtgrenze. Dort teilten wir uns in Gruppen auf: eine 3-er Gruppe Mädels, eine gemischte 2-er Gruppe und schließlich ich mit Renata und Miro. Gemeinsam suchten wir uns dann einen guten Standplatz und hielten den Daumen in die Luft. Das fand ich erst einmal ziemlich lächerlich und musste das auf einem Foto festhalten. Kaum war das Foto gemacht, hielt auch schon ein Auto für uns an und das Abenteuer begann: Der Fahrer war ein ziemlich normaler Mann und was der so erzählt hat, habe ich nicht so genau verstanden (Auto-Lärm). In Piranguinho sammelten wir dann noch einen Freund von dem Fahrer ein und weiter ging es Richtung Pouso Alegre. Irgendwo in der Pampa bog das Auto dann plötzlich von der Straße nach rechts in einen Feldweg ein, in Richtung eines Bauernhofes. Sofort schossen mir Gedanken in den Kopf von einem Sklavenmarkt auf dem wir wohl jetzt enden würden. Um auszuschließen, dass ich nicht irgendetwas überhört hatte, schaute ich meine beiden Mitreisenden an. Beide wirkten sichtlich nervös. Der Bauernhof glich jedoch auch mit viel Phantasie keinem Gefängnis oder Platz für illegale Geschäfte. Ein paar Kühe grasten friedlich in der Nähe und ein ausgesprochen hübsches Farmhaus stand auf dem Hof. Der Fahrer machte auch keinerlei Anstalten uns mit einer Waffe zu bedrohen und stieg stattdessen aus und ging ins Haus. Nach wenigen Minuten kam er zurück und die Fahrt ging weiter. In Santa Rita do Sapucaí war die Fahrt dann früher als erwartet zu Ende. Unter glühender Sonne mussten wir erst einmal ganz schön lange auf unsere nächste Mitfahrgelegenheit warten. Die fand sich dann irgendwann in Form eines ziemlich coolen Typens der uns nach Pouso Alegre beförderte. Dort angekommen ging es gleich weiter. Auf einer autobahnähnlichen Straße brauchten wir nicht lange zu warten und ein LKW hielt an. Der hatte eigentlich nur 2 freie Plätze im Fahrerhaus, aber dort quetschten wir uns rein. Der Fahrer war ein typischer Truck-Fahrer, lange Haare, Tatoos, eine seltsame Mütze und ein Micky Maus T-Shirt. Er hat auch viel geredet, aber ich war total müde und hatte kein Bock auf Konversation. Auf halber Strecke zwischen Tres Coracoes und Pouso Alegre hielt er dann an einer Raststätte an, die eine ziemliche Spelunke war. Dort erschien mir so ziemlich alles verdächtig und bei mir schrillten bereits wieder die Alarmglocken. Ruhig bleiben hieß es da. Wir genehmigten uns erstmal einen Saft und ein Klo und warteten dass die Fahrt weitergeht. Aber der Typ dachte gar nicht daran und unterhielt sich ewig mit seinem Kumpel, dem Besitzer der Raststätte. Dabei blickten sie auffällig oft zu uns herüber und ich fragte mich, für welchen Preis er uns wohl anbieten würde. Später wollte er uns unbedingt von seinem Käse etwas abgeben, aber wir hatten keine Lust vergiftet zu werden und lehnten dankend ab. Irgendwann ging die Fahrt dann endlich weiter. Allerdings hatte jetzt niemand mehr Lust sich mit dem komischen Typen zu unterhalten. Das passte ihm aber gar nicht, denn er wollte zwanghaft Konversation führen. Als eine Weile niemand mehr etwas gesagt hatte, fing er plötzlich an wie verrückt zu schreien, wobei wir uns zu Tode erschraken. Als er dann auch noch anfing seltsam auf der Autobahn von der Spur abzukommen, betete ich dass wir endlich ankommen mögen. Mittlerweile waren wir überzeugt, dass der Typ mindestens angetrunken war. Später fing er auch noch an Renata anzuflirten. Glücklicherweise war das Ziel unserer Reise erreicht und wir sprangen dankend an der erstbesten Gelegenheit aus dem Auto. Allerdings waren wir doch noch relativ weit weg von 3 Coracoes und so mussten wir uns nach einer weiteren Mitfahrgelegenheit umsehen. Die kam auch schneller als erwartet. Ein vollgeladener Kombi hielt an. Ich hatte keine Ahnung wie wir dort drin unterkommen sollten. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Auto um den Lieferwagen einer Bäckerei und der Fahrer bot uns erstmal ein paar der belegten Brote an, der er im Wagen hatte. Danach stapelte er seine Ladung noch dichter und wir quetschten uns zwischen Semmeln und Kuchen ins Auto. Als wir im Zentrum von 3 Herzen (Tres Coracoes) ankamen, ließen wir uns erstmal unsere erstanden Snacks schmecken. So gestärkt wanderten wir dann ewig lange und ewig weit bis zur Stadtgrenze um dort nach einer Möglichkeit zu suchen, die letzte Teilstrecke nach São Tomé zu bewältigen. Keine 100m weiter standen bereits weitere Leute, die offensichtlich das gleiche Ziel hatten. Doch die konnten nicht mit 2 Blondinen (jaja, in Brasilien gelte ich als blond) aufwarten und so hielt kurz darauf ein sehr komfortabler Pick Up für uns an. Drin saß ein augenscheinlich recht cooler Typ mit Sonnenbrille, lauter U2 Musik und sehr lustigen Rio de Janeiro Akzent. Er erzählte uns dass er mit seinen 2 Freunden, die auf Motorrädern vor dem Auto fuhren, auf dem Weg nach São Tomé sei um dort das Wochenende zu verbringen. Die Fahrt dahin war dann auch sehr angenehm und ohne weitere Zwischenfälle. Unterwegs sahen wir viele weitere Tramper und die Landschaft wurde immer ungewöhnlicher, je näher wir unserem Ziel kamen. Als wir dann in der Stadt ankamen, holperten wir über die mit groben Steine gepflasterten Straßen und machten es uns schließlich am Praça gemütlich um auf den Rest unserer Reisegruppe zu warten.

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Fotos zum Ausflug