12. Oktober 2004: São João del Rey

Nach vielen Tagen des Diskutierens hatten wir uns endlich entschlossen, dass und wohin wir fahren wollten um unsere Ferienwoche zu verbringen. Dieser Plan wurde am Busbahnhof in Pouso Alegre fast zerstört, weil wir nämlich mal wieder nicht daran gedacht hatten, Bustickets zu reservieren. Da es in Brasilien kaum Züge zur Personenbeförderung gibt und wir kein Auto zur verfügung haben *schnief*, sind wir hier auf die Busse angewiesen. Leider sind die wenigen zur Verfügung stehenden Plätze immer relativ schnell ausgebucht und dann hat man ein ziemliches Problem wenn man dringend wohin muss. Damit hatten wir auch am Wochenende zuvor bereits unsere Erfahrungen gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)
Jedenfalls hatten wir uns schon fast damit abgefunden nun doch trotz Regenwetter zum Strand fahren zu müssen, weil die Bustickets nach São João del Rey schon ausverkauft waren. Glücklicherweise gab es eine Stunde vor Abfahrt dann doch noch freie Tickets und der Urlaub konnte beginnen. Kurz nach Abfahrt schockte unser Lieblingsbrasilianer uns dann mit der Nachricht, dass wir vermutlich im richtigen Bus sitzen, jedoch in die falsche Richtung, nach Campinas, fahren. Nach einem kurzen Schreck und einem Gespräch mit dem Busfahrer klärte sich das glücklicherweise als Missverständnis auf und die Fahrt konnte weitergehen.
Diese dauerte dann auch etwas länger als erwartet und nach etwa 5 Stunden (oder waren es 6?) in unmittelbarer Nähe zur Bustoilette *yuk* kamen wir schließlich im Dunkeln in São João del Rey an. Auf den ersten Blick wirkte diese Stadt allerdings gar nicht so, als müsste man dort länger als nötig verbringen. Neben dem Busbahnhof gab es eine Pousada (Herberge), die unserem Geldbeutel angemessen billig aussah. Angesichts des baulichen Zustandes und des Ambiente des Hauses entschlossen wir uns jedoch, noch etwas weiter zu suchen, anstatt die erstbeste Möglichkeit zu nutzen. Ein Taxi brachte uns schließlich zu einem Hotel, welches ganz anständig aussah (jede Menge bunte und kitschige Jesusbilder und Heiligenfiguren im Foyer) und auch unserem Budget entsprach. Nach einigen Minuten Ausruhen machten wir uns dann auf die Stadt zu erkunden. Wenige Straßenkreuzungen hinter dem Hotel stießen wir dann unverhofft auf eine ganze Ansammlung von Kirchen. Seltsamerweise standen dort ziemlich viele Leute herum und starrten erwartungsvoll auf die Gotteshäuser, deren Glocken mittlerweile, von Feuerwerk begleitet, angefangen hatten wie wild zu läuten. Von der Vorahnung geleitet, dass hier gleich etwas passieren würde, warteten wir noch ein paar Minuten da und wurden nicht enttäuscht :-)
Wie sich herausstellte, hatten wir uns für den Besuch der Stadt einen ziemlich günstigen Tag ausgesucht, denn es war der Dia de Nossa Senhora Aparecida (irgendein kirchlicher Feiertag). Aus diesem Grund gab es dort eine Prozession, die von einer Kirche zur anderen zog und schließlich in einem Gottesdienst endete. Zuerst liefen einige Blaskapellen die Straße (siehe Bild unten!) entlang, dann jede Menge als Engel verkleidete Kinder und schließlich wurden diverse Heiligenbilder durch die Gegend getragen, die hin und wieder anhielten, um aus den ringsum liegenden Häusern mit Blumen beworfen zu werden. Bekleidet wurde dieser Umzug von vielen gläubigen Einwohnern, die mit einem Kreuz oder Rosenkranz in der Hand still nebenher liefen.
Dieser Anblick war für mich "Ungläubige" schon etwas ungewohnt und fast bereute ich einen Augenblick, nicht zu dieser Glaubensgemeinschaft zu gehören und am anschließenden Gottesdienst aktiv teilnehmen zu können. Auch hatte ich meine Kamera aus (der unbegründeten) Angst vor Überfällen vorsichtshalber im Hotel gelassen und konnte von dem Ereignis keine Bilder machen.

Am nächsten Morgen, nach einer von Mücken begleiteten Nacht, machten wir uns dann auf sämtliche Kirchen und Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besuchen. Auch ein kleines Stadtmuseum war dabei, indem uns freundlicherweise etwas über die Geschichte der Stadt erzählt wurde. Leider fanden wir heraus, dass die viel gerühmte Eisenbahn nach Tiradentes an diesem Tag nicht fahren würde. Und nachdem Stefan dann in einem Einheimischen einen neuen Freund gefunden hatte, machte wir uns dann per Bus auf nach Tiradentes.

Der nächste Morgen begann viel zu früh, als wir uns gegen um 2 auf zum Busbahnhof machten um nach Ouro Preto zu fahren *gähn* und dort noch ca. eine Stunde warten mussten.

Fotos zum Ausflug