25. - 27. Januar 2005: Paraty - Kolonialstädtchen mit schlechtem Wetter

Am 25. Januar sollte sie endlich losgehen die große Reise. Nachdem ich morgens Tobias im Hotel abgeholt hatte und wir uns noch kurz im nahen Shopping Center mit den letzten Reisezutaten eingedeckt hatten, begaben wir uns zum Busbahnhof von São José dos Campos um herauszufinden, wie wir zu unserem ersten Reiseziel Paraty gelangen könnten. Leider gab es keinen Direktbus (oder wir waren zu blöd, den zu finden). Ein Mitarbeiter sagte mir, wir müssten zuerst nach Ubatuba fahren, und von dort aus einen Bus nach Paraty nehmen. Leider gab es den nächsten Bus nach Ubatuba aber erst abends um 8. Also mussten wir noch einen weiteren Zwischenstopp einlegen, in Caraguatatuba. Der Bus kam dann auch bald uns los ging es. Irgendwann kamen wir auch in Caraguá an. Nach kurzem Warten fuhr auch schon der Bus nach Ubatuba und strahlend Sonnenschein lies darauf hoffen den Rest des Tages am Strand verbringen zu dürfen.
Auch als wir Ubatuba erreichten und die ersten schicken Strände vom Bus aus betrachten konnten, lächelte die Sonne noch freundlich.
Dass Ubatuba viele Strände hat, ist ja bekannt (so um die 80 wohl). Aber dass alle Strände dermaßen lang sind und teilweise auch weit auseinander liegen, davon hatte keiner was gesagt. Wir waren bereits eine Stunde in Ubatuba, und noch immer erinnerte nichts an den mir bekannten Praia Grande (der wiederum immer noch 30 Minuten vom Busbahnhof entfernt liegt). In dem Stadtbus war es unerträglich heiß. Beruhigend war nur die Tatsache, dass wir einen Sitzplatz ergattert hatten und die ewig dauernde Fahrt weniger als 1 Euro gekostet hatte. Mittlerweile zogen auch bedenklich dunkle Wolken am Horizont auf und beunruhigend viele Leute schienen die Strände zu verlassen. Irgendwann, mittlerweile war es schon recht spät, kamen wir schließlich auf dem Busbahnhof in Ubatuba an und ich erkundigte mich nach einem Bus nach Paraty. Doch es wäre ja zu einfach gewesen, wenn es einen Direktbus gegeben hätte. Nein wir mussten ein weiteres mal umsteigen. Zum Glück lag dieser Umsteigepunkt an einem schicken Wasserfall, wo wir auch einen interessanten Menschen trafen: Einen Marokkaner (oder war er Algerier?) der in Dresden studiert hatte, 8 Jahre in London lebte, 20 Jahre in Spanien und jetzt nach Paraty gezogen war. Er war Professor für französische Literatur aber jetzt auf die Übersetzung von Speisekarten spezialisiert. Seine Tochter hatte auch (wie Tobias) in Karlsruhe studiert und er hatte 1994 ein Restaurant in einer Stadt in Mallorca eröffnet, in genau dem selben Jahr, wo ich auch auf Mallorca in der selben Stadt war. Zufälle gibts :-)
Bei all dem hatten wir gar nicht auf das Wetter geachtet. Doch jetzt fiel auf, dass es in Strömen regnete. Gerade kamen wir an einem der schönsten Strände, Trindade, vorbei. Bei dem Wetter war uns allerdings jegliche Strandlust vergangen. Es wurde auch langsam dunkel, so dass wir hofften bald in Paraty anzukommen. Irgendwann waren wir auch da und wurden in einer seltsam dunklen Touristeninfo über Hotels beraten. Wir wurden uns auch schnell einig und wanderten ein paar Meter weiter zu unserem Hotel. Die Zimmer lagen in einem tropischen Ambiente von Grünpflanzen und ließen auf eine entsprechende Fauna hoffen (sprich Mücken). Die Zimmertür ging gleich erstmal gar nicht zu schließen, weil das Holz von der unglaublichen Luftfeuchtigkeit ganz aufgequollen war, gleiches galt für die Klotür :-( . Nachdem wir das schließlich geregelt hatten, beschlossen wir Essen zu gehen. Spätestens jetzt wurde uns klar, warum es in allen Räumen und in der ganzen Stadt so dunkel war: STROMAUSFALL. Toll! Schließlich fanden wir noch ein Restaurant was mit einem Generator arbeitete, der lautstark im Garten ratterte. Dort ließen wir uns dann irgendeinen Fisch schmecken und kurz vor der Nachspeise war dann auch der Strom wieder da. Bald darauf gingen wir schlafen und erfreuten uns die ganze Nacht am Gesang der Mücken *grummel*.

Am nächsten Morgen, war das Erste was auffiel: Regen! Bis zum Ende des Tages wollte ich die Hoffnung auf ein bisschen Sonne nicht aufgeben, doch es blieb bewölkt und regnete immer, mal mehr, mal weniger. Also machten wir das Beste daraus (Strand Adé!) und besuchten ein in der Nähe liegendes Fort und die Stadt. Mit seinen typischen Kolonialhäusern ist die Paraty wirklich hübsch, hat aber keine Attraktionen für einen ganzen verregneten Tag. Also machten wir uns Nachtmittags auf, einen nahen Wasserfall zu besuchen. Direkt daneben führte auch der Goldpfad lang, auf dem früher das Gold von Minas Gerais (Ouro Preto!!) zum Hafen von Paraty gebracht wurde. Leider war der Pfad nur mit Guide begehbar und hätte auch sicher an einem Regentag keinen Spaß gemacht. Also, Eintrag in der Todo-List (die im Laufe unserer Reise noch ziemlich erweitert werden sollte) und weitergegangen. Als nächstes Reiseziel stand eine Cachaça (das ist der Schnaps auf dem Caipirinha!) Brennerei auf dem Plan. Nachdem wir dann alle Sorten durchprobiert hatten (d.h. ich habe nicht so viel probiert, bin ja seit meinem letzten Cachaça-Absturz etwas vorsichtiger mit dem Zeug), kauften wir höflichkeitshalber noch eine kleine Flasche von dem Zeug (was mit Honig gemixt wirklich lecker war) zu einem Spottpreis und machten uns auf den Heimweg. Irgendwann an dem Tag trafen wir auch noch einen anderen Deutschen, mit dem wir einen Kaffee trinken waren und der ein Buch hatte, was er unbedingt loswerden wollte: Reise mit Tiger (oder auf Englisch: Life of Pi), welches ich mir schon in England gekauft hatte, jedoch nie gelesen habe. Darum akzeptierte ich das Buch und nahm es in mein schweres Reisegepäck auf. Am Abend gab es noch einmal ein leckeres Essen bei einem Kellner, der mich sehr an einen gewissen Brasilianer erinnerte, und darum extra viel Trinkgeld bekam ;-)
Am nächsten Morgen ging es nach einem Ausflug ins Internetcafé relativ schnell zum Busbahnhof und mit dem Bus in Richtung Rio de Janeiro.

Fotos zum Ausflug