02. - 03. Februar 2005: Die Death Road (La Calle de la muerte) (1)

Am Mittwoch machten wir uns auf einen Trip nach Corico, den ich noch lange (in Form von Mückenstichen) in Erinnerung behalten sollte. Der Weg in der Yungas (das bolivianische Dschungelgebiet) führt über die offiziell gefährlichste Straße der Welt, die darum in Bolivien nur "Calle de la muerte" (Todesstraße) genannt wird. Aber dazu später.
Unser Tag begann relativ früh, als wir von unserem Reiseführer am Hotel abgeholt wurden. Unsere Mitfahrer, 2 Schweizer, waren bereits im Jeep und so nahmen wir zwischen den Gepäckstücken im hinteren Teil des Fahrzeuges Platz. Zuerst gab es noch einiges an organisatorischem Kram zu klären und danach ging unsere Fahrt los. Nach etwa 1km an einem Berg noch in La Paz ging plötzlich der Motor aus. Hehe, dachte ich, hat er wohl abgewürgt. Aber nein, der Motor streikte. Schon vorgewarnt von diversen Reiseberichten über die Qualität bolivianischer Jeeps, dachte ich mir nichts weiter. Also erstmal aussteigen und anschieben. Abenteuerlich fuhr unser Reiseleiter, Gerry, rückwärts auf der falschen Spur den Berg herunter (ohne Motor an). Ich konnte schon gar nicht mehr hinschauen. Aber da bolivianische Autofahrer sowieso verrückt sind, nahm ich das ganze als gegeben hin und wartete. Nach einem weiteren Mal anschieben und noch mehreren halsbrecherischen Manövern des Jeeps, kam dieser wieder den Berg hochgetuckert und wir stiegen wieder ein. So, jetzt konnte es losgehen!
Aber nein, ein paar Meter weiter starb der Motor wieder ab. Nun gut, wir fuhren zu einer Werkstatt wo mit minimalen Mitteln erst einmal ewig am Fahrzeug herumgebastelt wurde. Irgendwie bekam ich nur mit, dass unter der Motorhaube wohl so ziemlich alles kaputt aussehen sollte und alles übergangsweise geflickt sei. Nach einer Weile fuhren wir zu einer zweiten Werkstatt wo wir dann eine neue Batterie bekamen und noch eine zum Ersatz zwischen das Gepäck und unsere Füße gestellt wurde. Nachdem wir dann schon beinahe 2 Stunden unserer Reisezeit verloren hatten, ging es dann doch endlich los Richtung Coroico. Wir passierten einen Kontrollposten, der die Funktionstüchtigkeit der Lichter und Blinker überprüfte. Natürlich darf nicht jedes Fahrzeug die gefährlichste Straße der Welt befahren. Doch unser war Death-Road-tauglich und wie zur Bestätigung fing er an der nächsten Kurve an komische Geräusche zu machen und Gerry schien einige Schwierigkeiten zu haben (erinnerte mich daran, wie ich einmal versuchte mit leerem Tank noch den Berg hochzukommen bis zum Parkplatz). Genau in einer unübersichtlichen Kurve blieb der Jeep dann stehen, sprang aber bald wieder an. Wie oft sich dieses noch wiederholte weiß ich nicht mehr, aber irgendwann stellten wir den Jeep ab und gesellten uns zu den Hunden, die am Straßenrand auf Futter warten und dieses auch reichlich bekommen, weil es heißt, dass die Hunde die Seelen der auf der Todesstraße verstorbenen Autofahrer sind und es bringt Glück diese mit Futter zu besänftigen. Während wir die tolle Aussicht auf die umliegenden Berge genossen, machte Gerry unzählige Telefongespräche. Letztendlich hieß es, wir bekommen einen neuen Jeep, der schon in La Paz bereit steht. Also stiegen wir wieder ein und es ging den ganzen Weg zurück. Warum das Auto jetzt auf einmal funktionierte, keine Ahnung. Wir diskutierten derweil mit unseren Mitfahrern, über es jetzt überhaupt noch Sinn machte, noch einmal neu loszufahren. Wir hatten schon über 2 Stunden unserer Zeit verloren, und einem Reiseveranstalter, der kein Problem hat, uns mit einem dermaßen maroden Auto auf die gefährlichste Straße der Welt zu schicken, trauten wir auch nicht mehr unbedingt.
Wieder in La Paz angekommen, aßen wir erstmal zu Mittag um danach zu entscheiden, was zu tun sei. Ich war fast schon der Meinung, die Tour zumindest auf den Folgetag zu verschieben, da ich keine Lust hat, weniger Zeit als (teuer) bezahlt in Coroico zu verbringen. Als dann allerdings ein ziemlich großer und auch komfortabler Jeep vor der Tür stand und uns ein Extra-Ausflug zu einem Wasserfall versprochen wurde, waren meine Mitreisenden dann doch wieder leicht zu überzeugen und ich beugte mich der Mehrheit. Mit einem Extrafahrer an Board und in weitaus komfortableren Sitzen, ging es also ein zweites Mal los Richtung Death Road.


Fotos von der Death Road