02. - 03. Februar 2005: Coroico und warum meine Beine seitdem von roten Punkten übersäht sind

Als wir bei strahlendem Sonnenschein in Coroico ankamen, machten wir erst einmal eine Rast auf dem dortigen Marktplatz. Die Stadt ist relativ klein, kam mir eigentlich eher vor wie ein Dorf. Dementsprechend gab es auf dem Marktplatz auch nicht viel zu tun und wir machten uns auf unseren ersten Wasserfall zu besichtigen. Dafür fuhren wir wieder einmal eine viel zu schmale Straße mit einem viel zu großen Abgrund an einer Seite entlang. Unten angekommen regnete es leider. Wir bahnten uns unseren Weg einen kleinen Dschungelpfad entlang und erreichten nach kurzer Zeit einen Fluss. Dieser war hübsch, aber nicht sonderlich spektakulär. Von den versprochenen Tieren (dort gibt es unter anderem Faultiere) zeigten sich leider nur die Mücken. Da ich leider wieder einmal deren bevorzugtes Ziel zu sein schien, war ich froh, als wir uns nach einer Weile auf den Rückweg zu unserem Hotel machten. Dieses war auch wunderhübsch gelegen und von der Terasse aus hatte man einen hervorragenden Blick auf die Umgebung. Gegen Abend trafen wir uns wieder alle zum gemeinsamen Essen. Dieses nahmen wir in einem nahe gelegenen Restaurant ein. Anschließend gab es allerlei interessante Geschichten über bolivianische Politik zu hören, beispielsweise dass in den letzten 15 Jahren über 200 verschiedene Präsidenten das Land regiert haben (bin mir bei den Zahlen nicht ganz sicher, war aber in einer ähnlichen Größenordnung). Außerdem hatte ein ziemlich verrückter Präsident den gesamten jetzigen brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso an Brasilien abgegeben, zum Tausch gegen ein arabisches Pferd. Dies war wohl auch ein besonders schönes Pferd, nur dumm dass es nach einer Woche gestorben ist, weil es das Höhenklima in La Paz nicht vertragen hat. Keine Ahnung ob die Geschichte stimmt, ich denke ja, aber Leandro meinte das wäre nur eine Sage.
Später spielten wir noch ein paar Kartenspiele und Billard. Nachdem ich kurz zuvor noch Tobias (der 8 Jahre im Verein gespielt hat) beim Tischtennis besiegt hatte, zog ich mich ziemlich müde zum Schlafen zurück. Da die Betten super bequem waren (was man bei einem 5 Sterne Hotel auch nicht anders erwartet), konnte ich endlich mal wieder eine Nacht lang gut schlafen. Das Höhenklima in La Paz hatte mir eine nette Erkältung eingebracht und zudem wachte ich dort jede Nacht mit Herzrasen und glühendem Gesicht auf.
Der nächste Morgen begann mit einem leckeren Frühstück. Nach einem sehnsuchtsvollen Blick auf den tollen Swimming-Pool des Hotels, den wir aus Zeitgründen nicht benutzten (irgendwo mussten wir ja unsere verlorenen Stunden vom Vortag wieder aufholen), ging es auf zu unserem Dschungel Abenteuer. Auf dem Plan standen 4 verschiedene Wasserfälle, mehr oder weniger im dschungel-ähnlichen Wald versteckt. Bereits beim Ersten mussten wir uns den Weg zum Wasserfall auf klitschigen Steinen und über matschige Pfade hinwegbahnen. Da ich mit Jeans und Turnschuhen dafür nicht gerade besonders geeignet gekleidet war (ich hatte nicht vor, die Klamotten danach wegschmeißen zu müssen), hielt ich es kurz vor dem Ziel für besser umzukehren und unten auf die anderen zu warten. Die nächsten beiden Wasserfälle waren ebenfalls sehr hübsch und mussten auch nicht erst erklettert werden. Dafür hatte es der letzte Wasserfall wieder in sich. Hinter Bäumen versteckt, mussten wir erst ca. 80m nach oben klettern um ihn in voller Schönheit bewundern zu können. Also krempelte ich (trotz der drohenden Moskitogefahr) die Hosen hoch und folgte Gerry in den Wald. Unsere beiden Schweizer zogen es vor unten zu warten und so machten wir uns zu dritt auf den Weg. Mit Hilfe von Lianen kletterten wir einen matschigen Pfad entlang, einmal mehr verdammt nah über einem Abgrund. Einmal reichte mir Gerry die Hand um mich ein schwieriges Stück hochzuziehen. Leider stellte ich mich dabei so verdammt dumm an, dass ich anstatt mich an ihm hochzuziehen, ihn zu mir herunterzog. Dabei verlor er das Gleichgewicht und stürzte ab. Glücklicherweise hatte er sich an einer Liane festgehalten und baumelte jetzt wie Tarzan über dem Abgrund *schluck*. Es war nichts weiter passiert, doch ich kletterte noch vorsichtiger weiter und fragte mich wieder einmal warum ich in diesem Urlaub dauernd mein Leben riskieren muss. Als wir irgendwann den Wasserfall erreicht hatten, wurden wir für die Strapazen (fast) entschädigt. Nachdem wir wieder unten auf der Straße waren, sahen meine Schuhe aus wie Sau und nachdem ich auch noch in den Bach getreten war, waren sie jetzt auch durchnässt. Kurz entschlossen zog ich Schuhe und Socken aus und wechselte zu Flip Flops. Ein verhängnisvoller Fehler wie sich später herausstellen sollte...
Nach den Wasserfällen besichtigten wir noch eine Coca Plantage (man braucht etwa 600kg Coca Blätter für ein Kilogramm Kokain), die in Bolivien legal sind. Kurz darauf machten wir uns auf zu unserem verdienten Mittagessen. Dieses nahmen wir im gleichen Restaurant ein, wie tags zuvor das Abendessen. Um die wunderbare Aussicht genießen zu können, setzten wir uns draußen hin und aßen dort gut und lange. Nach einer Weile bemerkte ich, dass ich an Armen und Beinen seltsame rote Punkte hatte, von einem Insektenstich umgeben. Bei den ersten paar Stichen dachte ich mir noch nichts weiter dabei. Aber nach einer Weile waren meine Beine teilweise leicht blutverschmiert und ich begann mir Sorgen zu machen. Darum krempelte ich meine Hosen wieder herunter und konnte somit wenigstens meine Beine schützen. Meine Füße waren jedoch in den Flip Flops weitestgehend ungeschützt. Nach einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, machten wir uns dann auf den Rückweg nach La Paz. Diesmal fuhr nicht Gerry, sondern Ricardo, unser Zweitfahrer. Allerdings schien der es ziemlich eilig zu haben und war dauernd mit Überholmanövern auf der Death Road beschäftigt. Und dies mal wieder bei einer weitgehend eingeschränkten Sicht, erst von Staub dann wieder von Regen und Nebel.
Glücklicherweise sind wir am Ende doch noch wohlbehalten oben wieder angekommen und die beiden Bolivianer dankten ihrem Gott, an der gleichen Stelle wie auf dem Hinweg.
In La Paz angekommen machten wir uns einmal mehr auf die Suche nach dem Schwarzmarkt und gingen dann abends zeitig schlafen, was mir jedoch kaum möglich war. Meine unzähligen Moskitostiche waren nach dem Duschen angeschwollen und juckten wie Teufel. Tobias' Anti-Jucksalbe konnte das, wenn auch nicht viel, wenigstens ein bisschen lindern.
Auch heute noch, fast genau einen Monat nach dem Ausflug, erinnern lauter rote Punkte an meinen Beinen daran, dass man im Dschungelgebiet eben doch nicht mit Flip Flops herumlaufen darf (auch nicht im Restaurant).

Fotos von Coroico