15. Oktober 2004: Belo Horizonte

Belo Horizonte ist mit 2,3 Millionen Einwohnern die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais und gleichzeitig nach Rio de Janeiro und São Paulo die drittgrößte Stadt Brasiliens. Nachdem ich mal wieder die halbe Busfahrt verschlafen hatte, erwachte ich, als wir gerade aus den Bergen in die Stadt fuhren und sich uns ein wunderbarer Panoramablick auf die Stadt bot. Davon war ich ganz schön beeindruckt, denn ich habe, glaube ich, noch nie eine Stadt mit so vielen Hochhäusern auf einem Fleck gesehen. In Frankfurt war ich noch nie, und London ist zwar größer, aber irgendwie komplett anders. Nachdem wir die Touristeninformation aufgesucht hatten und unsere Rucksäcke mit sämtlichen Wertsachen (inklusive Kameras) in einem Schließfach verstaut hatten, begannen wir unseren Rundgang durch die Stadt. Der Anblick der gefüllten Schaufenster, rief in mir längst vergessene Erinnerungen an Zivilisation hervor :-) Gab es da nicht einmal irgendetwas, was ich in der Vergangenheit häufiger zu tun pflegte, aber bisher noch nie in Brasilien tun konnte? Jaaa, Shopping :-) Aber dazu später.
Für Touristen gibt es in Belo Horizonte nicht so direkt etwas zu sehen. Direkt nach dem Busbahnhof, wurden wir schon Zeuge eines ersten Handtaschenraubes und ich klammerte mich fester um meine Tasche (die allerdings aus meiner Reiseverpflegung nichts wertvolles enthielt ;-)
In BH gibt einen wunderhübschen Stadtpark, der wie eine Oase innerhalb der Hochhäuser erscheint und mit jeder Menge Dschungelvegetation bewachsen ist. Dort ruhten wir uns erst einmal aus. Anschließend besuchten wir noch einen ziemlich schönen, mit Palmen bewachsenen Praça und genehmigten uns eine anständige Fast-Food Malzeit.
Später trafen wir dann Alessandro, der uns zu einem ziemlich großen Shopping Center (Meadowhall in Sheffield war aber glaube ich größer) führte. Später am Abend fuhr meine Reisegruppe zurück nach Itajubá und ich nutzte die mir angebotene Unterkunft um nach ein paar Tage länger in BH zu bleiben. Beim Warten auf den Stadtbus musste ich allerdings leider schon den zweiten Raub an diesem Tage mit anschauen. Zwei Typen stiegen aus einem Bus aus und klauten einem wartenden Mann den Hut. Dieser wollte den aber offensichtlich nicht loswerden und wehrte sich, woraufhin er zu unseren Füßen zu Boden ging. *seufz* Brasilien könnte so schön sein, wenn die Großstädte nur etwas (oder besser noch viel) sicherer wären.

Am nächsten Morgen hatten wir erstmal die Qual der Wahl, was wir an diesem Tag besichtigen wollen. Schließlich entschieden wir uns für den Zoo, da ich bisher doch noch nicht wirklich viele brasilianische Tiere gesehen hatte. Die gab es dann auch dort haufenweise. Besonders die vielen bunten Vögel waren schon beeindruckend, aber auch ein bissl langweilig ;-). Da sind mir die Nagetiere schon lieber und davon habe ich schließlich auch noch ein paar erblickt. Später wollten wir noch zu einem Fußballspiel gehen von verschiedenen Firmen gegeneinander (u.a. Alessandros Praktikumsfirma). Leider hatten wir uns in der Zeit ein wenig verschätzt und kamen eine Stunde zu spät. Alessandros Mannschaft hatte bereits verloren. Zum Trost konnten wir einen schicken Sonnenuntergang über der Stadt beobachten. Leider nur vom Bus aus, so dass ich keine Fotos gemacht habe :-(
Anschließend gingen wir noch einmal ins Einkaufszentrum, da ich allerhand Dinge brauchte, die es im guten Itajubá einfach nicht zu kaufen gibt. Zudem gab es dort endlich mal wieder ein Kino, was meinen Qualitätsansprüchen entsprach und so schauten wir uns Resident Evil 2 an. Der Film war allerdings ziemlich sinnfrei, aber immerhin habe ich so gut wie alles verstanden, auch die portugiesischen Untertitel :-)

Nachdem wir wieder zurück in der WG waren, beschlossen wir noch die Lieblingskneipe aller Mitbewohner zu besuchen: Den Lobo Mau (bösen Wolf). Mir wurde erzählt, dass dort ziemlich viele einsame Frauen älterer Generation auf Männersuche sind, was nicht gerade so klang, als würde ich mich in dem Schuppen gut amüsieren. Als wird dort ankamen, war noch nicht sonderlich viel los und wir tranken erst einmal ein paar Bier. Dabei lief eine Konzert DVD der brasilianischen Band Capital Inicial, die ich sogleich für mich entdeckte und zu meiner neuen brasilianischen Lieblingsband deklarierte. Irgendwann kam dann eine Band von mehreren schicken Brasilianern auf die Bühne. Und die haben verdammt gut gespielt und gesungen, einen Mix aus U2, Beatles und allem was gut ist :-) Ich habe auch gleich Alessandros Mitbewohner Pedro beauftragt, sich doch mal nach CDs der Band zu erkundigen. Die hielten mich dann wohl auch für ihren größten Fan (war ich vermutlich dort auch) und haben mir erstmal ihre Telefonnummern zugesteckt. Irgendwann sind wir dann nach Hause getorkelt und schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen wollte ich dann eigentlich abreisen, aber leider hatte ich die Rechnung mal wieder ohne die brasilianischen Busunternehmen gemacht. Da Ferienende war, waren alle Busse nach Itajubá (waren nur 2 oder so) und Pouso Alegre (eine Stadt in der Nähe) längst ausgebucht. So musste ich meinen Aufenthalt in der Stadt noch um einen Tag verlängern. Unter anderem besuchten wir noch einen Markt und das Museu Mineiro. Dort gab es zwar coole Bilder von einem Maler, dessen Namen ich vergessen habe, sonst aber außer ein paar Kirchenfiguren nicht viel zu sehen. Für mich, an Museen wie den London Tower gewohnt, war das relativ enttäuschend. Aber in einem Land ohne allzuviel Vergangenheit (maximal 300 Jahre oder so) gibt es halt nicht soviel Geschichte. So sind wir dann noch einmal in den tollen Stadtpark gegangen und haben uns bei einer eisgekühlten Kokusnuss ausgeruht (die Woche war schon recht stressig, viel zu viel gelaufen).
 Abends wurden wir dann noch lecker von Alessandros Mitbewohner bekocht und ich verstrickte mich in ein interessantes Gespräch über Spiritismus mit Pedro. Anschließend ging es relativ zeitig ins Bett.

Am nächsten Morgen bewältigte ich dann die schwere Aufgabe alleine von Alessandros Wohnung mit dem Bus zu seiner Firma zu fahren. Dort in der Nähe gab es auch noch ein paar coole Einkaufsmöglichkeiten, wo ich mein letztes Geld ließ. Kurz darauf ging es auch schon zum Busbahnhof wo ich die lange und einsame Heimreise Richtung Itajubá antrat. Glücklicherweise waren ein paar Amerikaner im Bus. Eine von denen kam sogar aus Itajubá und mit ihr habe ich mich dann doch noch nett unterhalten. Als wir in Itajubá ankamen war es fast Mitternacht und im Gegensatz zu den 35 °C in BH erwartete mich hier  strömender Regen. Das letzte Taxi wurde mir vor der Nase weggeschnappt, so dass ich erstmal noch eine halbe Stunde auf dem Busbahnhof warten musste. Merda! Irgendwann kam ich dann doch zu Hause an und musste mich erstmal von dieser anstrengenden Woche erholen.

 

Fotos zum Ausflug